Martin Gollmer
source : energie-sonne.jpg source : energie.jpg source : energie-strom.jpg source : energie-oel.jpg source : energie-wind.jpg

Themen - Energie


13-06-2012 | Wie die Schweizer Stromzukunft aussehen k├Ânnte


Der VSE zeigt mit einer Studie drei Wege in die Stromzukunft der Schweiz auf. Jeder Weg ist mit unterschiedlichen Auswirkungen verbunden. Eine Schweizer Stromzukunft ohne Gaskombikraftwerke und ohne Importe von nicht erneuerbarer Energie ist nur mit sehr grossen Anstrengungen beim Stromsparen und mit drastischen Massnahmen m├Âglich.

Der Verband Schweizer Elektrizit├Ątsunternehmen (VSE) hat seit letztem Sommer eine ganze Reihe von Studien in Angriff genommen. Die am Dienstag, 12. Juni 2012, ver├Âffentlichte Gesamtbetrachtung ÔÇ×Wege in die neue Stromzukunft" haben 50 Spezialisten aus der Branche erarbeitet. Dabei ging es um die Frage, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Konsequenzen eine Stromversorgung ohne Ersatz der heutigen Kernkraftwerke realisiert werden kann. Die Experten haben die Frage anhand von drei konsistenten Szenarien beantwortet, die sich jeweils hinsichtlich politischer Weichenstellung und gesellschaftlicher Akzeptanz unterschei-den.

Szenario 1 geht zwar von verst├Ąrkten Vorschriften f├╝r Stromeffizienz und F├Ârderung erneuerbarer Energien aus, rechnet aber mit einem weiter steigenden Strombedarf. Die Folge: Ein Viertel der Energie muss weiterhin importiert werden und der Ausstieg aus der Kernkraft geht nur mit 7 bis 8 Gaskombikraftwerken sowie wo sinnvoll WKK. Zudem steigen die Gesamtkosten f├╝r Stromerzeugung und Netze bis 2050 gegen├╝ber heute auf 118 Milliarden Franken, was einer Kostensteigerung von ca. 30% entspricht.

Szenario 2 geht von einem st├Ąrkeren Willen zum Energiesparen aus, inklusive starker Lenkung ├╝ber hohe Verbrauchssteuern. Bis 2050 w├╝rden 70% der Energie aus erneuerbaren Formen entstehen, zum Beispiel mit knapp 1000 Windkraftwerken, 8 Wasserkraftwerken der Gr├Âsse des Kraftwerks Rheinfelden und 7000 Photovoltaik-Anlagen in der Gr├Âsse der Anlage auf dem Stade de Suisse. Trotzdem w├╝rden 4 bis 5 Gaskombikraftwerke und wo sinnvoll WKK notwendig sein. Und das ganze Investitionspaket w├╝rde die Kosten um 45% auf 135 Milliarden Franken steigen lassen.

Szenario 3 ist der radikalste Umbau. Der Stromverbrauch geht unter anderem dank starker Lenkungsabgaben um 7% zur├╝ck. Es wird massiv in erneuerbare Energien investiert, zum Beispiel mit 1250 Windkraftwerken, 10 Wasserkraftwerken der Gr├Âsse des Kraftwerks Rheinfelden und Photovoltaik-Anlagen, die 11'500 Mal derjenigen auf dem Stade de Suisse entsprechen. Die Gesamtkosten steigen um 75% auf 150 Milliarden Franken. Daf├╝r braucht dieses Szenario keine Gaskombikraftwerke und importiert wird ausschliesslich Strom aus erneuerbarer Energie.

Der VSE will mit der Studie Grundlagen liefern und seine Forderung untermauern, dass die Massnahmen zur Gestaltung der k├╝nftigen Stromversorgung nur anhand verschiedener Szenarien beurteilt werden k├Ânnen. Er will f├╝r die Diskussionen Transparenz schaffen. Die praktische Umsetzung eines jeden der drei Szenarien wird tiefe Einschnitte in das Alltagsleben der Schweiz bringen und es wird je nach Auspr├Ągung zu Zielkonflikten kommen, die sichtbar gemacht werden m├╝ssen. Diese m├╝ssen von Gesellschaft und Politik entschieden und getragen werden. Der VSE will durch diese Studie n├Âtige Massnahmen aufzeigen, um das Ziel auf verschiedenen Wegen zu erreichen. Und er will so mithelfen, die politische und gesellschaftliche Diskussion zu versachlichen.

Die Schweizer Strombranche braucht in den n├Ąchsten Jahren klare und nachhaltige politische Entscheide, um zu wissen, wie die k├╝nftigen Rahmenbedingungen sein werden, damit sie das liefern kann, was sie als ihre Hauptaufgabe sieht: Versorgungssicherheit.



Die drei Stromszenarien des VSE